Historie

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Genossenschaft im Jahr 1998 erschien ein Artikel zur Geschichte des Wohnungsunternehmens, den wir Ihnen hier nicht vorenthalten möchten.

100 Jahre Bau- und Sparverein Brandenburg  - eine Reminiszenz

GWG "Neuer Weg" e.G. Brandenburg an der Havel Um die Jahrhundertwende nahm die industrielle Entwicklung auch in Brandenburg (Havel) einen erheblichen Aufschwung. Die Bevölkerung wuchs in kürzester Zeit stark an. Die Wohnungsnot erreichte ein unerträgliches Maß.

Häufig wohnten 10 und mehr Personen in einem Raum. Verbürgt aus jener Zeit ist die Wohnraumsituation von 17 Arbeiterfamilien, die mit 121 Familienmitgliedern in den Pferdeställen eines in Brandenburg (Havel) stationierten Artillerie - Regimentes am Rathenower Torturm hausen mussten.

Um dieses Elend zu beseitigen, gründeten einige sozial engagierte Persönlichkeiten der Stadt Brandenburg - im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe - am 01. Juli 1898 den BAU- UND SPARVEREIN zu Brandenburg (Havel) eGmbH.

Die Eintragung in das Genossenschaftsregister erfolgte am 10. September 1898. Die Bautätigkeit begann im Oktober des gleichen Jahres. Der Mietpreis lag  z.B. für eine 2-Zimmerwohnung zwischen 15,83 Mark und 18,75 Mark.

Trotz mancher Rückschläge, bedingt durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges und die sich entwickelte Weltwirtschaftskrise wurde in dieser Zeit viel für die Verbesserung der Wohnungssituation getan. Die Generalversammlung der Genossenschaft am 24. August 1928 hielt dazu fest : „Mit Stolz können wir heute feststellen, dass genossenschaftliches Zusammenstehen, gemeinsames Schaffen nach einem Ziel die schwachen Kräfte der Arbeiter und Angestellten beflügelt und zu großen Leistungen befähigt."

Ausgang des Jahres 1944 besaß der BAU- UND SPARVEREIN 1.537 Wohnungen.

Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg 

GWG "Neuer Weg" e.G. Brandenburg an der Havel Wir schreiben das Jahr 1945. Das grauenvolle Ende des Hitlerkrieges war da. Am 01. Mai 1945 zogen die sowjetischen Truppen in Brandenburg (Havel) ein. Die Stadt hatte unter den Einwirkungen des Krieges schwer gelitten.

Der BAU- UND SPARVEREIN allein hatte 28 Häuser mit 180 Wohnungen verloren – sie lagen in Schutt und Asche. 21 Häuser waren so stark beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar waren. Trotz größter Entbehrungen und erneut herrschender Wohnungsnot : das Leben musste weitergehen.

Der damalige Vorstand und Aufsichtsrat versuchte mit Erfolg die allergrößten Schäden zu beseitigen. Nur ganz allmählich normalisierte sich die Lage.

In der Aufbruchstimmung der 1950er Jahre wurde auch in der DDR nach neuen Ideen im Wohnungs- und Städtebau gesucht.

Die Bedeutung der Genossenschaft in der DDR 

GWG "Neuer Weg" e.G. Brandenburg an der Havel Dabei galten die Wohnungsgenossenschaften als eine Art Hoffnungsträger beim Aufbau der neuen Gesellschaftsordnung. Die damals bereits 70-jährige Brandenburgische Genossenschaftstradition erfuhr somit eine grundsätzlich veränderte Interpretation.

Von Staatsseite war eine umfassende Förderung gesichert, zu der die Bereitstellung von Bauland ebenso zählte, wie die Vergabe zinsloser Kredite von 85 % der Baukosten. Zügig nahm der bauliche Bestand zu.

Nach der Instandsetzung bzw. des Wiederaufbaus von 12 Häusern verfügte die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft „Neuer Weg“ – so hieß sie ab dem 14. März 1957, über mehr als 1585 Wohnungen.

Mitte der 1960er Jahre verlangsamte sich die genossenschaftliche Wachstumsphase im Zuge einer generellen Neugestaltung des Wohnungsbaus in der DDR. Verbunden waren damit neue Vorschriften zur Mitgliederaufnahme und Wohnungsverteilung. Erstmals spielten Familiengrößen und gesellschaftliches Engagement eine wesentliche Rolle. Mit den Beschlüssen von Partei und Regierung zur Förderung des Wohnungsbaus begann in den 1970er Jahren eine neue Ära. Der Wohnungsbau wurde als Kernstück des sozialistischen Programms proklamiert.

Die Neustrukturierung nach der Wiedervereinigung

GWG "Neuer Weg" e.G. Brandenburg an der Havel Die deutsche Wiedervereinigung 1990 zog auch für alle Wohnungsbaugenossenschaften rechtliche, wirtschaftliche und soziale Veränderungen nach sich. Innerhalb kürzester Zeit war die Umstellung von der zentralistischen Planwirtschaft, mit starker finanzieller Unterstützung für die Genossenschaften, in die Marktwirtschaft zu bewältigen.

All das geschah vor dem Hintergrund einer insgesamt rezessiven Entwicklung, die durch wachsende Arbeitslosigkeit, Stilllegung ganzer Industriekomplexe in der Stadt Brandenburg an der Havel und gravierender sozialer Einschnitte gekennzeichnet war. Zunächst stand die Wohnungsbaugenossenschaft vor der existenziellen Herausforderung, die Umgestaltung nach bundesdeutschem Recht zu erreichen.

Grundlage dafür waren neben einer neuen Satzung auch die Erfüllung umfangreicher, verfahrensrechtlicher Voraussetzungen, die mit einem enormen Arbeitsaufwand verbunden waren. Am 22. November 1991 erfolgte die Eintragung in das Genossenschaftsregister unter der Firmierung Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft „Neuer Weg“ e.G. Damit trat auch die am 30. November 1990 beschlossenen Satzung in Kraft.

Im Vordergrund standen jetzt 2 Hauptfragen, die es zu lösen galt. Zum einen ging es um die Klärung der Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden. Zum anderen ging es um die Entlastung von 1,2 Millionen DM Altschulden.

Instandsetzung und Sanierung 

GWG "Neuer Weg" e.G. Brandenburg an der Havel Mit der Lösung dieser beiden Fragen konnte im Jahr 1993 mit einem sehr umfangreichen und ehrgeizigen Sanierungsprogramm begonnen werden. Schwerpunkte dabei waren die Rückgabe der uns gehörenden Wohnungseinheiten der bis zum Juni 1993 durch die GUS – Streitkräfte genutzten 146 Wohnungen im Bereich der Karl – Marx – Straße und der Fouquestraße.

Das Gesamtvolumen der Baumaßnahmen für Instandhaltung, Instandsetzung und Modernisierung betrug von 1993 bis 1997 rund 37 Millionen DM.

Im Jahr 1997 gehören der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft „Neuer Weg“ e.G. 2021 Mitglieder an. Sie besitzt 1640 Wohnungen und 5 Gewerbeflächen sowie 64 Garagen.

Neben den umfassenden unternehmerischen Aufgaben ist die vielfältige Betreuung der Mitglieder wichtigstes Anliegen der führenden Gremien der Genossenschaft. Nach Jahren intensiver Arbeit steht die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft „Neuer Weg“ e.G. auf stabilen Grundpfeilern.

Die satzungsgemäße Aufgabe, „eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung der Mitglieder der Genossenschaft zu sichern“, bleibt weiterhin prägendes Leitbild der Zukunft.